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Im Teil 2 wird es nun um die Grundlagen, vor allem ökologischer Nachhaltigkeit gehen, damit wir besser verstehen, wie es gerade um uns steht und was das für uns bedeutet.
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Kollaps Grundlagen

In Teil 1 ging es um eine schnelle Herleitung, warum es angemessen ist, vermehrt über Kollaps zu sprechen. Unbedingt erstmal lesen, z.B. hier
Im Teil 2 wird es nun um die Grundlagen, vor allem ökologischer Nachhaltigkeit gehen, damit wir besser verstehen, wie es gerade um uns steht und was das für uns bedeutet.

🌍 Planetare Grenzen

Ich möchte euch erstmal einen Videobeitrag schenken. Der ist eigentlich hinter einer Paywall, genannt die Akademie für Zukunftskultur, wo wir Nachhaltigkeitsmanager*innen in Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft ausbilden. Den Auftakt mache ich mit folgendem Vortrag - dort stecken sehr viele Grundlagen drin, vor allem zu planetaren Grenzen.

Nehmt euch gerne die Zeit, danach habt ihr einen guten Gesamtüberblick.

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Das Konzept der planetaren Grenzen vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung hilft uns, erstmal unseren Blick zu erweitern. Wir sprechen viel von Klima und viel zu wenig von den anderen planetaren Grenzen, allen voran Biodiversität und (Frisch-)Wasser. Wir unterschätzen strukturell, welche Probleme sich für uns daraus ergeben werden. Auf dem Schirm haben wir natürlich massiven Landverlust, sagen wir von Bangladesh mit Tuvalu und viele Orte und Länder mehr. Klar sind wir da alle betroffen, aber jetzt auch nicht so stark, dass uns das zu größerem Handeln veranlassen würde. Und damit meine ich nicht, individuell uns auf ein Minimum zu reduzieren. Das ist das Konzept des negativen Fußabdrucks. Eine Erfindung der fossilen Lobby. Ich meine massive Handlungen im Sinne des Handabdrucks: nutzt eure beruflichen und privaten Hebel, werdet politisch aktiv, wirkt in eure Organisationen, setzt Programmatische Nachhaltigkeit um, nehmt die Themen in die Vermittlung, auf eure Bühnen usw.

Und glaubt nicht, dass das ein fernes Thema ist. Extremwetterereignisse, Flutkatastrophen wie im Ahrtal werden ständige Begleiter*innen, werden unsere Normalität. Das ist Kollaps. Für manche ist er längst da.

❤️‍🩹 Von Klimagefühlen zu Überforderung hin zu Verdrängung

Ich halte diesen Vortrag in ähnlicher Form regelmässig. Ich weiß inzwischen damit umzugehen und habe eine Idee, wie es denjenigen geht, die sich nicht ständig damit auseinander setzen. Ich empfehle dann immer das Buch von Lea Dohm und Mareike Schulze, Klimagefühle. Und erzähle von mir: ich weiß inzwischen, dass ich die Nacht davor und danach schlecht schlafe. Ich hab mir sogar eine smart watch zugelegt (einer der vielen Widersprüche, in denen wir leben müssen), um meine Vitalwerte und Schlaf zu tracken, um das besser zu verstehen und aus der Vermutung zu holen. Natürlich ist es überhaupt nicht schön, uns in eine Welt zu denken, die von Poly-Krisen bestimmt ist. Aber erstens ist das eine sehr privilegierte Sicht - also auf das jetzt, aber viel mehr noch auf die Zukunft. Zu behaupten, das wird schon alles, wir werden gewinnen oder irgendsowas. Wer ist denn dieses wir? Die 12 Bewohner*innen eines Wohnheims für behinderte Menschen, die im Ahrtal ertrunken sind, weil wir uns immer noch nicht ausreichend mit Klimafolgenanpassung beschäftigen möchten schonmal nicht. Die Millionen Menschen, die weltweit migrieren müssen, weil sie aus dem globalen Süden flüchten müssen, weil wir im globalen Norden unseren “Wohlstand” erhalten möchten? Es ist nicht leicht, hier nicht zynisch zu werden, ob unserer unreflektierten Privilegien im Post-Kolonialismus.
Und zweitens: wer immer noch im Glücksbärchen-Modus von 1,5° und schaffbaren Klimazielen unterwegs ist, kommt gut an in unserer Verdrängungsgesellschaft, aber entfernt sich immer weiter von unserer Verantwortung gegenüber uns selbst, aber vor allem gegenüber marginalisierten Gruppen. Tut das nicht (mehr).


🙂‍↕️ Kipppunkte


Eine weitere wichtige Grundlage, die es zu verstehen gilt, sind die Kipppunkte.

Kipppunkte sind Schwellenwerte, wenn wir diese überschreiten, werden wir massive, vermutlich irreparable Systemänderungen beobachten können. Ausserdem können wir nicht mehr genau modellieren, was nach diesen Kipppunkten mit unseren Ökosystemen passiert. Auch hier eine sehr gute Videoeinführung, dank TED einer der stärksten Wissenschaftskommunikationsformate, die ich kenne:

🫣 Szenario-basierte Blicke in mögliche Zukünfte


Wenn wir uns dem Gedanken eines Kollaps annähern, sprechen wir nicht von einer genau definierten Zukunft. Wir sprechen von möglichen Zukünften. Und wir sprechen von Gestaltungsmöglichkeiten, wie diese Zukünfte für uns und alle anderen sein werden.

Was uns beim Sprechen über Kollaps hilft, sind Szenarien, die mögliche Zukünfte definieren und beschreiben. Das scheint mir sehr unterbeleuchtet in der Kollapsdsiskussion, nimmt uns aber die Chance auf Gestaltungsmöglichkeiten und solidarischen Umgang, wenn wir nur von einem maximal negativen möglichen Ende ausgehen (wie es gerade im deutschsprachigen Diskurs hauptsächlich der Fall ist). Wir werden uns in einem der nächsten Artikel mit verschiedenen Szenarien auseinander setzen, um uns hier Wirkmacht zurück zu holen. Da helfen uns wieder die schon erwähnten IPCC Szenarien, die als “IPCC Shared Socioeconomic Pathways” beschrieben sind oder das “Deep Adaption Framework

Den Szenarien widmen wir eine ganze Ausgabe dieser Artikel-Reihe.


Ich freue mich über eure Gedanken und Kommentare!
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